empy nest klein

Heimlich sehnen Eltern sich manchmal danach: „wenn die Kinder doch schon selbstständig wären, dann hätte ich mehr Zeit für mich oder für den Partner“. Nach ungefähr zwei Jahrzenten ist es dann so weit. Kisten werden gepackt, die Kinder sind Erwachsen und ziehen aus dem Elternhaus aus. Ein Lebensabschnitt geht zu Ende.
Aus einem absehbaren Ereignis wird Realität und wird oft mit widersprüchlichen Gefühlen begleitet. Statt Freiheitsgefühle, wiedergefundener Zweisamkeit, Lebensfreude stehen paradoxerweise Trauer, Sehnsucht und Verlustängste im Vordergrund. Der Begriff Empty-Nest-Syndrom, der in den 1960er-Jahren von amerikanischen Soziologen geprägt wurde, beschreibt genau diese Gefühlslage von Einsamkeit und Trauer, die sich nach dem Weggang der Kinder aus dem elterlichen Haus einstellen kann.

 

Gefühle wie Stolz auf die mutigen Kinder, Freude dass die Kinder eine wichtige Lebensphase geschafft haben, mengen sich mit Traurigkeit. Es fehlen die Gespräche am Küchentisch, gemeinsam Dinge zu unternehmen, aber auch der Trubel aus dem wunderbar chaotischen Leben der Jugendlichen, sei es lautere Musik, ein unaufgeräumtes Bad oder das Aushandeln der Ausgehzeiten. Das Haus wirkt verlassen, still, leer.


Zusätzlich erinnert das Ende eines Lebensabschnitts auch daran dass man älter wird. Eine ausgebildete Familientherapeutin hat in Berlin eine Selbsthilfegruppe für Frauen gegründet und berichtet dass so manche Eltern sich fühlen „wie in Rente geschickt“.


Diese Gefühle sind normal. Psychologin Bettina Fromm sagt „je mehr Raum mein Kind für mich einnimmt, umso grösser ist später der Bruch“. Oft trifft es Mütter härter, da es oft sie sind die mehr Zeit mit den Kindern verbracht haben, und viele Frauen ihren Selbstwert aus der Mutterrolle beziehen, so Bettina Fromm. Es trifft aber auch Väter und Paare. Aus der Elternallianz wird wieder „nur“ ein Paar. Es ist auf einmal seltsam wieder nur zu zwei im Sofa zu sitzen und Projekte wieder zu zwei in Angriff zu nehmen. Man spürt wie viel Raum die Kinder eingenommen haben.


Psychotherapeutin Verena Kast hat mehrere Bücher zu diesem Thema geschrieben. Sie unterstreicht dass auch wenn es normal ist, dass Kinder ihre Eltern verlassen, es aber nicht heißt, dass es nicht wehtun darf.


Damit der Übergang gut gelingt und um Krisen zu vermeiden ist es hilfreich sich selbst wieder neu zu definieren, so wie auch das Paar sich wieder neu gestalten und wieder neu zusammenfinden.
Wenn die erste Trauer überwunden ist, beginnen viele Eltern ehemalige Kinderzimmer neu zu gestalten, sowie die Leere mit Projekten zu füllen. Es entsteht Platz für Neues.
Es ist Zeit Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu blicken. Hilfreich ist zu überlegen, was habe ich, sowie auch das Paar früher gerne gemacht und vielleicht aufgegeben oder reduziert wegen des Kindes oder der Kinder.
Diplom Psychologin Felicitas Heyne rät schon vor dem Auszug der Kinder sich selbst oder als Paar sich Freiräume zu schaffen und Auszeiten einzuplanen. Dies stärkt die Autonomie des Kindes und stärkt die Verbindung zwischen Mann und Frau als Paar ohne die Mutter- und Vaterrolle.


Die Beziehung zwischen den Eltern und den Kinder ändert sich nach dem Auszug. Es entsteht eine Freundschaft. Hilfreich sind die digitalen Medien, die diese Veränderung der Eltern-Kind-Beziehung positiv unterstützen und diese räumliche Trennung erleichtern. Über Facebook, whatsapp, Skype, Telefon bleibt man unkompliziert und in einer lebendiger Form in Verbindung. Feedbacks über whatsapp wie: „Wäre jetzt gerne bei euch“ oder ein spontaner Anruf der Kinder besänftigen den Trennungsschmerz.
Mütter können wieder vorrangig Frau sein, Väter wieder Männer und die Dinge unternehmen nach denen ihnen ist und trotzdem schnell wieder zur Stelle sein wenn sie wieder als Mutter oder Vater gebraucht werden.


Sie sind jederzeit am Elterentelefon willkommen wenn sie diese Gefühl des „empty nest“ bedrückt oder sie Fragen zu diesem oder anderen Themen haben. Speziell ausgebildete Berater können sie unterstützen und beraten, sowie gegebenfalls ihnen die zuständigen Beratungsstellen vermitteln.


Wir sind von Montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, sowie mittwochs abends von 17 bis 20 Uhr unter der Rufnummer 26 64 05 55 zu erreichen.